Das nachfolgende Kriminalstück ist eine Hommage an Agatha Christie und die humorvolle Fortsetzung des Puppentheaterstücks „Herzrasen“. In dieser Romanze spielten der blaue SL „Isabell“ und der Rallye‑SLC „Ricky“ die personifizierten Hauptrollen. Am Ende wurde Ricky verpresst und Isabell blieb einsam zurück.
Die Herbstausfahrt des lockte die gepflegte Reisegesellschaft aus Oktanpilgerern hinaus aus dem urbanen Ampelwald hinein in das ehrwürdige Schöneck im Vogtland. Dieses liegt so weit ab von den prächtigen Bitumenboulevards, dass selbst Google Maps nervös wurde.
Es war einer dieser kühlen Morgen, an denen der Nebel wie ein höflicher Butler zwischen den Hügeln Sachsens stand. Während zur Fahrerbesprechung mehr alte Hasen als beim Kaninchenzüchterverein über die automobilgerechte Haltung des 107er fachsimpelten, kam der große Knall – allerdings nicht als Fehlzündung aus einem der Emissionstrichter, sondern ein R107 war weg! Verfahren, gestohlen oder entführt?
Plötzlich schaltete der Tross einen Gang runter. Während einige Mitreisende am Drehzahlbegrenzer liefen, wirkten andere auffällig untertourig, und wer zu sehr auf der Bremse steht, hat meistens etwas zu verbergen.

Abb.: Der verschwundene SL
Ein verschwundener 107er, sechs Verdächtige und ein akribischer Detektiv
Agatha Christie hätte das Verschwinden aus dem „Sachsen Express“ nicht besser inszenieren können.
Die gerufene Wachtmeisterei begann mit den Ermittlungen. Es war der legendäre sächsische Volkspolizist, der seinen Namen stets ein wenig länger als nötig aussprach – Ehrkül Pwaroh.
Alle Aussagen liefen jedoch verdächtig im Leerlauf, die Alibis klapperten wie lose Ventile, und einige Passagiere hatten eindeutig zu viel Spiel im Gestänge.
Der Detektiv wurde deshalb Mitreisender und begleitete den Tross in seiner russischen Dienstdroschke. In seinen Lada, die slawische Göttin der Schönheit, steigt man aber nicht einfach ein, sondern betritt eine fahrende Basilika aus Mythos und Wodka. Egal, ob dieser vom Fahrer oder vom Lada getankt wird – hochprozentiger Alkohol steigert die Oktanzahl, und eine höhere Verdichtung führt bekanntlich zu mehr Leistung. Einen Schub, den Pwaroh jetzt brauchte.
Er begann messerscharf zu ermitteln, Beweise zu analysieren und verhörte die Reisegruppe geschickt immer dann, wenn sie es am wenigsten erwartete. Schnell wurde klar: Hier ist nicht jeder geschniegelt – manche sind einfach nur gut geölt. Sicher ist: Der Täter kommt aus dem vertrauten Umfeld. Ehrkül Pwaroh stellte sich vor den Konvoi und räusperte sich bedeutungsvoll: „Meine Damen und Herren … einer von Ihnen hat gestern Nacht mehr bewegt als nur sein Fahrzeug.“
Zwischen Vergasereinstellungen, Ausflüchten und öligen Halbwahrheiten kämpfte sich Ehrkül Pwaroh analytisch durch ein Sammelsurium von Indizien und widersprüchlichen Ausreden.
Die potenziellen Täter zeichneten dabei ein „Tableau vivant“ der automobilen Leidenschaften.
Da war z. B. der Clubkollege – einer von den gedienten Benzinbrüdern mit chronischer Patina‑Sammelneigung. Er wollte das blaue Cabrio unbedingt haben, wurde aber beim Kauf abgewiesen. Dies erzeugte mehr Frust als eine versagte TÜV‑Abnahme. Erlag er einem klassischen Oldtimer‑Eifersuchtsschub? Zur Tatzeit war er angeblich im Hotelzimmer, mit der früh leeren Minibar als einziger Zeugin.
Ein weiterer Verdächtiger war der Autohändler – ein vertrauter Geschäftsmann mit eigener Reparaturresidenz und Zugang zu Ersatzschlüsseln. Wegen offener Rechnungen der letzten Inspektionen geriet er in Streit mit dem säumigen Eigentümer und drohte lautstark: „Wenn du nicht zahlst, passiert was mit deinem 107er!“. Zur Tatzeit war er angeblich im Zapfsäulenpalast, um das Spritaquarium zu fluten. Für Ehrkül Pwaroh war dieses Alibi so glaubhaft wie das Quellenverzeichnis in Guttenbergs Doktorarbeit.
Der Eigentümer – ein Clubmitglied, das nach außen den erfolgreichen Gentleman vorgibt, aber heimlich E10 tankt. Die Indizien lassen ihn als berechnenden Drahtzieher erscheinen, der den Diebstahl inszeniert haben könnte. Versicherungsbetrug? Immerhin wurde die Versicherungssumme sehr hoch auf ein verdächtiges Oldtimer‑Gutachten mit der Note 1 bemessen. „Ich war in der Waschstraße“, gab er als Alibi an. Warum fährt jemand nachts in den Lacktempel? Wen wollte er mit einer funkelnden Karosse beeindrucken? Der Kommissar notierte: „Verdächtig wie ein frisch polierter Kotflügel nach einem Parkplatzrempler.“
Der Drehorgelspieler – er war Gast im Hotel und spielte ein Instrument, das aussah, als hätte es schon mehr Geheimnisse gesehen als der Polizei‑Lada von Ehrkül Pwaroh. Der Musikus war ein armer Kerl und chronisch pleite. Nach dem abendlichen Auftritt war er jedoch flüssiger als 0W8 und spendierte großzügig eine Saalrunde Schunkelschorle. Am nächsten Morgen war der Musikant spurlos verschwunden – und das, obwohl alle seine Sachen noch im Hotelzimmer lagen.
Die Ehefrau des Eigentümers – sie hatte genug davon, dass der 107er mehr Unterbodenpflege bekommt als sie. Wenn ihr Mann den Wagen streichelte, seufzte sie sehnsuchtsvoll: „Schön, dass wenigstens die Kiste regelmäßig poliert wird.“ Als Alibi gab sie an, zur Tatzeit mit ihrem Hund im Wald gewesen zu sein. Zufällig wurde sie geblitzt – nur in einer Gegend ohne Wald und im verschwundenen SL.
Die Aktivistin – sie möchte nicht nur die Welt missionieren, sondern hegt zudem eine pazifistische Aversion gegen Parkplatzpanzer und Benzinbomber. Sie trug Öko‑Sandalen, eine Naturfaser‑Warnweste und den Gesichtsausdruck einer Lastenradfahrerin bei Regen, bei der schon beim Wort „Vergaser“ die Herzklappenkontrollleuchte auf Dauerleuchten stand. „Ich habe nichts gestohlen“, sagte sie. „Ich habe nur protestiert.“ Der Kommissar zeigte ihr das Bekennerschreiben: „Autos fressen Ressourcen.“ Ein Alibi hatte sie nicht.
Das Ordnungsorgan Ehrkül Pwaroh – bisher über jeden Verdacht erhaben – wirkte plötzlich zwiespältig. Da die Ermittlungen mit den Verdächtigen wie im Standgas verliefen, wurde er plötzlich selbst verdächtig. Er hatte zu DDR‑Zeiten die West‑Autos des damaligen Klassenfeinds bewundert und sich insgeheim immer einen 107er gewünscht.
Doch plötzlich war der Täter klar. Ehrkül Pwaroh kündigte an, seine scharfsinnigen Schlussfolgerungen und die Wahrheit über das Verschwinden darzulegen. Dazu versammelte er alle Teilnehmer in der Tennishalle des Hotels. Die Halle war erfüllt von einer Spannung, die man sonst nur kennt, wenn ein 107er in die Schrottpresse kommt.
Mit der Gravitas eines VoPos, hob er die Hand. „Verehrte Mitglieder und Gäste, erlauben Sie mir, Ihnen die einzig logische Lösung zu offenbaren.“ Mit den Händen hinter dem Rücken verschränkt, konstruierte Pwaroh die verborgenen Zusammenhänge. „Der vermeintliche Diebstahl diente dazu, meine präzisen Gedankengänge zu verwirren – natürlich vergebens.“ Er klopfte bedeutungsvoll auf sein Notizbuch. „Eine Spur der Ölinkontinenz führte mich präzise in die Tennishalle, den Tatort.“ Die Ablassschraube tat Buße für den Verrat.
Ein Raunen ging durch die Halle, dann Stille, und der Geduldsfaden wurde dünner als die Haarpracht von Kojak. Der „Einsatz in Schöneck“ kam zum Showdown. „Der Oldtimer wurde nicht gestohlen. Nein… es wurde vielmehr eine Tat aus Benzinromantik und Oktanleidenschaft begangen.“
Pwaroh erinnerte an das Karosserieorigami des desolaten Rallye‑SLC‘s namens „Ricky“. Dieser wurde im letzten Jahr zum Herbsttreffen bekanntlich nach seinem Totalschaden zu einem Würfel gepresst.
Rickys damalige Geliebte war Isabell, das blaue Cabrio, welche seitdem zwar verwitwet ist, jedoch noch kolbenkitzlige Gelüste hat. Isabell, der blaue 107er, hatte sich neu verliebt. Getreu ihrem Motto „Das Leben ist zu kurz, um langweilige Autos zu fahren“ blinkte ihr oranges Notlichtballett aufgeregt.
Ihr neuer Prinz: ein sportlicher Elektro‑SLC, der mit frischem Saft in den Adern und allen vier Reifen breit auf dem Asphalt stand. Isabell war brav, gediegen und hatte reichlich Holz in der Hütte. Ihre Leidenschaft gilt aber den wilden Kerlen und nicht den glänzenden Schwiegermuttertypen.


RIP – 280 SLC Ricky und der eSLC mit „E“ für Emotionen
Isabell ist und bleibt das Enfant Terrible. Zwei schwarze Schafe im Wolfspelz – Tierschützer sind überfordert. Kult braucht keine Patina, und Gefühle kann man nicht erklären, aber eintragen lassen. Somit passt der Stromer zu ihr wie Ananas auf Toast Hawaii. Die glänzende Blechballerina hatte nun erneut einen SLC gefunden, und es wurde Zeit, wieder unter die Haube zu kommen. Tradition und Charakter sind cool wie ein Sandkasten im Regen, und apropos Kinderspielplatz: Wo die Kinder‑Tretautos herkommen, ist jetzt wohl auch klar…

Isabell, die lustige Witwe
Alle illustren Verdächtigen waren eine verschworene Gesellschaft, haben von Isabells Romanze mit dem Umweltrenner gewusst und versucht, die wilde Liebelei der zwei 107er zu verschleiern.Um sich für das Rendezvous schick zu machen, hat der Ehemann Isabell vorher noch durch die Waschstraße gefahren, und seine Ehefrau hatte das Cabrio persönlich zum Treffpunkt chauffiert, wobei sie geblitzt wurde.
Jetzt erklärt sich auch die Leidenschaft der Klimaaktivistin, die sich für die langlebige und ressourcenschonende Oldtimerszene stark macht.
107er haben so viel Persönlichkeit, dass sie im Einwohnermeldeamt einen eigenen Wohnsitz bräuchten.
Plötzlich war auch der Drehorgelspieler wieder da. In welche Arme ihn seine Zapfsaftleidenschaft nach einem kleinen Lottogewinn getrieben hatte, bleibt sein amouröses Geheimnis.
Für Ehrkül Pwaroh war das Motiv für den vorgetäuschten Diebstahls klar: Rickys spektakulärer Abgang von der Rennstrecke zum Herbstreffen 2025 führte bekanntlich durch die Presse. Um die erneute Dornenkrone mit Teerung und Federung zu vermeiden, sollte der Mantel des Schweigens über Isabells Liaison mit dem „Électro Enfant Terrible“ gelegt werden.


Der verflossene Rallye‑SLC als gepresster SLC‑Würfel
Pwaroh grinste verschmitzt; es war dieses kleine, selbstzufriedene Lächeln, das nur Detektive haben, die das mysteriöse Verschwinden eines Oldtimers aufklären können. Er verbeugte sich leicht – nicht zuletzt vor seiner hervorragenden Kombinationsgabe.

