2026 Tierpark Lützen
Wir starten wieder mit einem gemeinsamen Mittagessen in der Holländischen Mühle, bevor wir unsere Copiloten und deren Betreuer in Leuna abholen. Von hier geht unsere gemeinsame Ausfahrt weiter nach Lützen. In Lützen angekommen habt ihr drei Optionen. Ihr könnt zusammen mit unseren Copiloten den Tier- und Erlebnispark besuchen oder alternativ die Gustav-Adolf Gedenkstätte oder das Schloss Lützen besichtigen. Danach treffen wir uns alle zum gemeinsamen Kaffee & Kuchen im Parkrestaurant.
11:30 Treffen & Mittagessen, Gasthof Holländische Mühle in Dölzig
12:45 Fahrerbesprechung
13:00 Start 1. Etappe nach Leuna
13:30 Einstieg der Copiloten in die Auto‘s
14:00 Start 2. Etappe nach Lützen
14:30 Ankunft Tier- und Erlebnispark
Individuell: Besichtigung Gustav-Adolf-Gedenkstätte oder Besichtigung Schloss Lützen
15:00 Führung in 2 Gruppen (1h)
16:00 Kaffee & Kuchen im Parkrestaurant
17:15 Start 3. Etappe zurück nach Leuna
18:00 Verabschiedung
Haftung: Es handelt sich um eine rein soziale, nicht-kommerzielle Veranstaltung. Die Teilnahme ist kostenlos. Speisen und Getränke zahlt bitte jeder selbst. Es wäre sehr schön, wenn jedes Auto wieder die Kosten für seinen Copiloten übernehmen könnte. Es ist keine Fahrt in Kolonne, jeder fährt individuell und auf eigenes Risiko mit privater Versicherung.
Rückspiegel
2025 KreativMühle Mücheln – Theater für besonders Schaulistige
Auch 2025 luden wir wieder Copiloten mit geistiger Behinderung aus einem Wohnheim der Lebenshilfe e.V. ein – diesmal in die KreativMühle nach Mücheln. Mehr als Zufriedenheit geht nicht und dabei helfen gemeinsame Aktivitäten wie unsere Ausfahrten „Sterne für besondere Bedürfnisse“ und die Aufführung des Puppentheaters „Herzrasen“ ungemein.
Teilweise haben Teilnehmer am Straßenverkehr deutlich größere Defizite und manchmal diagnostiziert man die Symptome der eigenen Touretteerkrankung. Eingeschränkte Selbstbestimmtheit und begrenzte Gespräche kennen einige auch aus langjährigen Ehen, da gilt es auch, den Humor nicht zu verlieren. Der Sonnenschein ist für alle gleich schön, egal welche Fähigkeiten wir haben oder welche fehlen. In diesem Sinne, einfach mehr über die eigenen Unzulänglichkeiten lachen.


2024 „Straße der Romanik“ zum Schloss Goseck
Es gibt Menschen, für die ist das Starten des Motors, das Brubbeln im Bauch oder die bewundernden Blicke vom Straßenrand keine Selbstverständlichkeit. Unsere Copiloten waren Menschen mit geistiger Behinderung aus dem Wohnheim der Lebenshilfe Leuna. Aufgrund ihrer Beeinträchtigungen sind sie nicht in der Lage, ihr Leben eigenständig zu gestalten. Doch der Sternenhimmel ist für alle gleich schön, egal welche Bedürfnisse oder Fähigkeiten wir haben. Man kann den Sonnenschein nicht teilen, aber die Freude darüber, wenn sich das Verdeck oder Schiebedach öffnet, so als wollte man die Geheimnisse des Firmaments enthüllen. Wir können dann alle dasselbe unendliche Himmelszelt sehen und wenn wir Glück haben, gelingt es uns für einen Augenblick dankbar für die Zeit zu sein, welche uns im 107er geschenkt wird. Man kann diese Wohlfühlwährung des Universums nicht für schlechte Zeiten sparen, sie aber wie eine Glücksportion Schlagsahne teilen.
Also starteten wir mit der ultimativen Feel-Good-Playlist und ein besonders musikalisches Gespann versuchte, den Takt von „Walking on Sunshine“ mit den Blinkern zu synchronisieren, sehr zur Freude der anderen Verkehrsteilnehmer. Doch die Straßen waren heute unser Laufsteg und unsere Oldtimer wurden zu barrierefreien VIP-Logen auf Rädern.
Auf unserer Zeitreise winkten unsere Copiloten den Passanten aus glänzenden Chromkarossen zu, so als wären sie die Könige und Königinnen auf dem Weg zu ihrem Schloss und wie es sich für die Noblesse gehört, wurde majestätisch auf dem Schlosshof vorgefahren. Eskortiert von einem Polizeioldtimer mit funktionsfähiger Sirene, wohl auch für den Understatement gewohnten 107er-Fahrer mal ein ungewohnt prominenter Auftritt. Für einen Augenblick sah es aus, als ob die Wolken einen respektvollen Knicks machten und selbst die Sonne kurz innehielt, um zu bewundern, wie grazil das Parken der Kutschen ablief. Schnell stellte sich heraus, dass dies nicht der Moment war, in dem das Schloss seine Krone aufsetzte, vielmehr aber gute Laune begann die alten Gemäuer der Schlosskirche zu durchströmen.
Wir haben alle mehr oder weniger Beeinträchtigungen und waren doch für diesen Nachmittag zusammen der Club „Der Coolen Socken“, so cool – hinter uns hätte man auf der Rückfahrt wohl Winterreifen benötigt.
Im Anschluss gab es noch eine Etappe zum 9.000 Jahre alten Sonnenobservatorium und als ein Vogel vorbeiflog, klatscht meine Beifahrerin einfach in die Hände und kicherte: „Der Schnazjer wollte einsteigen, aber im Windmacher ohne Dach ist kein Sitz mehr frei.“ (Anmerkung: Schnazjer ist ein anhaltinischer Ausdruck für Spatz). Sie lächelte dabei verschmitzt, und für den Moment war dies die witzigste Geschichte der Welt. Einer unserer Copiloten mit Alzheimer konnte sich zum Abendessen sogar noch an den Polizeioldtimer erinnern.
Irdische und himmlische Lenker haben an diesem Tag etwas die Last des Anderen mitgetragen und das in der Gesellschaft großartiger Menschen zusammen im RT04 erlebt. Mehr als Zufriedenheit geht nicht und dabei hilft der 107er ungemein.

