Blechkuscheln zum Vintage Demo Racing

In einer Zeit, in der Autos mehr erziehen als begeistern, im Strom schwimmen und Motoren wie ein WLAN‑Staubsauger klingen, riecht und hört man auf der Klassikwelt Bodensee noch Emotionen. Es ist eine Mischung aus Politur, Petroleum, Fehlzündungen und leichtem finanziellen Ruin.
Während der 107er‑Asphaltadel mit einem Lackbild glänzte, welches selbst Warhols ArtCars farblos aussehen lässt, war das viele Holz in der Hütte und das Kuh‑Couture‑Leder wie Balsam für die Seele. Für diese Schönheiten würde manch Papa die Mama eintauschen.
Die Pilgerfahrt zu den 107er‑Zündkerzenständern auf der Messe ist, als ob man die Kirche aus dem Dorf holt. Zwischen sakralen Andachtsständen, Ersatzteilopfergaben und glänzenden Chromartefakten wandern Besucher herum wie Oktanarchäologen in der Hoffnung, etwas zu finden, das sie nicht brauchen, aber unbedingt besitzen möchten.
Die Welt der Klassiker ist bunt. Münchner Bazibuden vom 8er‑Weisswurstgleiter bis zur 3er‑Dönercorvette, Citroëns DS als Göttin in hydropneumatischer Glassänfte, Zuffenhausener Froschaugen, Detroiter Spaltmaßschlawiner, Zwickauer Rennpappen, Bochumer Kadett‑B‑Ware, Jeeps Off‑road‑Dreckdompteure oder königliche SECs der Reeperbahn und Hilti‑Windelbomber präsentierten Automobilgeschichte.
Es waren so viele schräge Vögel am Bodensee, Ornithologen wären überfordert gewesen. Neben einer Tiefflugente war auch ein Adler so vintage, dass er den Erfinder des Rads wohl noch persönlich kannte.
Die Messe am Bodensee verbindet nicht nur Klassiker zu Land, zu Wasser und zu Luft, sondern mit dem Vintage Demo Racing auch die Chromantiker mit den Freunden des klassischen Motorsports.
Das Starterfeld der Rennfahrt ähnelte dem Wartezimmer beim Tierarzt für Blechtiere im Fiebertraum – krank besetzt. Dort wartete der Manta darauf, dass sein Manni artgerecht in die Stiefel pinkelt und der inselvölkische Jaguar, Panther, Puma, Mustang‑Hubraumhengst sowie das Viper‑Reptil auf die 1,6 km lange Linksspursafari über das Messegelände. Der getunte Käfer, Panda mit Spoiler breiter als ein Berliner Balkon und der Renault‑4‑Laubfrosch komplettierten das oktanbetriebene Biotop.


In dieses passten die motorsportlichen Sympathisanten aus Leipzig, auch wenn sie nicht mit einer SLC‑Heckschleuder, sondern mit einem aufgeladenen Bonsai‑Mazda und Saab 900 starteten. Als Deutscher redet man zwar nicht „über Steuern“, übersteuern kann der schwedische Frontantriebler aber auch, insbesondere wenn es an Gewicht im Blechhintern fehlt. Was kann da schiefgehen, außer dem Heck.
Mit Schädelschale und 6‑Punkt‑Körperklammer im Überschlagskäfig sind die Rennoldtimer so aufregend wie mit Flip‑Flops einen Berg nach dem Schützenfest runterzurennen. Am Ende geht das Drehzahlballett aber immer irgendwie gut aus.















